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Das High-Tech-Zeitalter macht auch vor Indien nicht halt. Im
Gegenteil, High-Tech wird in diesem gegensätzlichen
Land in Mengen und in der besten Qualität produziert.

Digitalisierungstechniken rechnen sich für die Umsetzung von
Werbekampagnen und haben innerhalb kürzester Zeit die handgemalten Plakate
völlig vom Markt verdrängt.. Es existieren so gut wie keine handgemalten
Kinoplakate mehr. Allein im Stadtbild von Chennai (Madras)
im indischen Bundesstaat Tamil Nadu hat sich dieser Wechsel deutlich sichtbar
vollzogen. Dafür haben die riesigen Druckplakate noch an Größe gewonnen und
lassen ein Stadtbild dahinter überhaupt nur noch erahnen. Ein Extrembeispiel ist
hier die Mount Road. Es werden Stimmen laut, den wuchernden Druckplakaten
Einhalt zu gebieten, weil man nicht mehr wisse, ob sich hinter ihnen Häuser,
Tempel oder Parks befinden. Eine Reduktion ist relativ unwahrscheinlich, denn
Chennai ist eine "Boom-Town". Die Wirtschaft floriert und wächst ohne Ende. Die
Stadt platzt aus ihren Nähten. Nach inoffiziellen Schätzungen ist die 10
Millionen-Grenze an Einwohnern bereits überschritten. Es gibt sogar beleuchtete
Großplakate auf den Dächern von Hochhäusern, die man beim Anfliegen mit dem
Flugzeug von Fensterplätzen aus deutlich lesen kann! Sie sollen verboten werden,
weil sie den Flugverkehr beeinträchtigen könnten.

Fast alle Workshops mit
Billboard- oder
Hoarding-Artists haben bereits dichtgemacht. Die wenigen noch
verbleibenden machen nur dann noch gute Geschäfte, wenn Wahlen bevorstehen und
Parteien und Kandidaten über Nacht Tausende von handgemalten Wahlplakaten
ordern. Diese werden sogar für andere Bundesstaaten hergestellt und dorthin
eingeflogen. Denn es heißt, dass die besten Maler aus
dem Süden und Chennai kommen.
Im boomenden und wesentlich
weiter entwickelten Mumbai waren die
Billboard-Firmen bereits 2003 nicht mehr in den „Yellow-Pages“
zu finden.
Tatsächlich hatten die, nach
Meinung von Experten, besseren Billboards aus
Chennai eine ganz andere Tiefe als beispielsweise
solche aus Mumbai, die flacher wirkten. Die
Hoarding-Artists aus Chennai
beherrschten ihr Handwerk perfekt. Innerhalb von ein, zwei Tagen wurden von
einem Team riesige aus einzelnen Tafeln bestehende
Billboards produziert, die bei der Anbringung zusammenmontiert wurden.
Die Künstler, oder sollte man sagen die Kunsthandwerker, waren in der Lage, in
allen erdenkbaren Techniken zu produzieren.

Durch die Zusammenarbeit der beiden privaten
Kulturzentren Ashvita in Chennai und Bellevue, Kunst + Kultur in Berlin, konnte
ein Team mit den besten noch in der Stadt lebenden Billboard-Malern
zusammengestellt werden, das immer noch in der Lage ist, nach den alten Methoden
zu arbeiten. Für die Asien-Pazifik-Wochen 2003 mit dem Fokusland Indien wurden
mit diesem Team in Chennai handgemalte Reklame-Plakate für Berlin hergestellt.
Ein kleines Team wurde im Sommer nach Berlin eingeflogen und konnte in der
ehemaligen Eingangshalle der Gemäldegalerie in Dahlem, die nun zum
Ethnologischen Museum gehört, einen Malsaal einrichten und unter Anleitung des
in der Welt des Hindi-Films hochberühmten Art Directors Thota Tharani vor Ort
weitere Bilder produzieren.








2004 engagierte die Werbeagentur Jung v. Matt
die Maler, um Bilder für eine Kampagne der Bank Austria zu produzieren. Kurz
danach wurden sie von der Stadt Fribourg in die Schweiz eingeladen, um für das
jährliche internationale Theatertreffen statt der üblichen Plakatierungskampagne
ein einziges Riesenplakat herzustellen - mitten in der Stadt und sozusagen mit
"Action Painting Live". Die Aktion war ein voller Erfolg.


Bank Austria, Fotos Jung v.
Matt


Billboard Fribourg,
Theatertreffen
2005 waren wieder Billboards am Potsdamer Platz
zu sehen (bis zum 19.10. einschließlich), vom altbewährten Team in Chennai
gemalt. Der Anlass war das 500-jährige Bestehen indisch-deutscher
Handelsbeziehungen. Am 13. September 1505 war die erste deutsche
Handelsexpedition, finanziert von den Welsern in Augsburg, auf der kleinen Insel
Anjediva vor der Küste Goas gelandet - auf der Ostroute, von Antwerpen nach
Lissabon, an Afrika vorbei nach Südindien. Der erste große Markt (vergleichbar
dem in Augsburg) der damaligen Zeit lag nicht an der Küste, sondern im
Landesinneren: Vijayanagar. Später wurden Goa und Cochin als Handelsplätze
ausgebaut, Südindien und Ceylon umrundet, und man segelte bis Sao Thomé (heute:
Chennai). Wenig später schickten die Fugger eine Flotte in die andere Richtung,
nämlich nach Westen, um den besten Weg nach Indien zu finden. Die Suche nach dem
besten Seeweg nach Indien begründete den Welthandel. Die Billboards
interpretieren einige der vielen Facetten indisch-deutscher (Handels)
Beziehungen, von 1505 bis jetzt. Ursprünglich sollten die Billboards bereits zu
den Asien-Pazifik-Wochen in Berlin aufgebaut werden, was aber aus technischen
Gründen nicht realisiert werden konnte. Das Billboard Projekt 2005 wurde von der
Indischen Botschaft, dem ICCR und dem Auswärtigen Amt unterstützt. Die Bilder
wurden in der zweiten Septemberhälfte innerhalb von 10 Tagen in Chennai auf dem
Gelände von Ashvita im Stadtteil Mylapore gemalt, Tag- und Nacht, bei einer
Durchschnittstemperatur von 38 C, nachts noch durch das Auftreten einer
Moskito-Plage erschwert. Glücklicherweise hatte der Monsun Chennai noch nicht
erreicht. Sonst hätten die Bilder nicht in der Sonne trocknen können.
Verzeichnis der Neuen Billboards:
1. Marktleben in Augsburg
2. Von Augsburg nach Antwerpen
3. Das Verladen der Handelsgüter in die Schiffe
4. Die Route
5. Ankunft in Anjediva (keine Abb.)
6. Markt in Vijayanagar
7.Heidelberg
8. Kinoplakat
9. Tagore + Einstein
10. Buddha
11. Art is an investment!
12. Stoffe + Porzellan
13. Autos
14. Ganesha
15. Text + Verzeichnis
16.Ein Fest für die Sinne
17. Früchte und Gewürze
(Nr. 5 u. Nr. 17
sind auf dem Potsdamer Platz nicht ausgestellt)
Falls Sie Interesse an eigenen
speziellen Billboards haben, sprechen Sie uns bitte an.
Wir organisieren das Malen und
die Luftfracht. Dabei können wir auf ihre individuellen Vorstellungen eingehen.
Unter den Malern sind auch hervorragende Portraitmaler.
Andreas
Weigelt
Galerie Bellevue
Reinhardtstr. 16
10117 Berlin
Tel. (030) 392 2561
















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